Archiv - Veranstaltungen

Konzert
Munich Harp Quartet
Sonntag, 19.07.2026 um 20.00 Uhr
weltoffen und vielgestaltig
Musik wie ein perfekt gemixter Cocktail
Das „Munich Harp Quartet“ begeistert in Triftern
Das „Munich Harp Quartet“ bot im vollbesetzten Stadl der Alten Post am vergangenen Sonntag Harfenmusik der Spitzenklasse. Andrea Beeker begrüßte als Sprecherin des Kultur- und Kunstvereins die vier jungen Harfenistinnen in ihrer jeweiligen Landessprache: Ein „Bienvenue“ gab es für Alice Proffit aus Frankreich, ein „Welcome“ für Lauren Schrempp aus den USA, ein „Bem-vinda“ für Lara Faria Fonseca und ein „Servus dahoam“ für Veronika Seiler aus Triftern.
Nach seinen Anfängen anlässlich der Weltausstellung in Osaka 2025 ging das Harfenquartett nun in Seilers Heimatort auf die Suche: einerseits nach einem Sponsor für anstehende Projekte, andererseits nach einem guten Vergleich für das Ensemble und seine Spielweise. Der Jazz-Saxofonist Paul Desmond hatte seinen unverkennbaren Stil einst scherzhaft damit beschrieben, dass er wie ein trockener Martini klingen wolle. Mit welchem Cocktail umschreibt man dann ein Harfenquartett am besten?
Möglicherweise etwas Spritziges, schlugen die Musikerinnen in einer Ansage vor. Vielleicht leicht und elegant wie ein Aperol Spritz, mit einer feinen bittersüßen Note, die lange nachhallt? Oder eher wie eine White Lady, klassisch, edel und ausgewogen? Oder doch wie ein festlicher Kir Royal, der mit wenigen Zutaten einen raffinierten Gesamteindruck garantiert? Oder womöglich ein French 75 mit Champagner, der wie die Obertöne des Harfenquartetts prickelt und glitzert?
So international das Ensemble besetzt ist, so weltoffen, vielgestaltig und abwechslungsreich war auch das Konzertprogramm über alle Genre-Grenzen hinweg zusammengestellt. Allein der erste Teil nahm das Publikum mit nach Brasilien, Kuba und Japan, nach Russland und in die USA. Man bekam populäre Welthits wie „Mas que nada“ von Jorge Ben oder Swing-Standards wie „The man I love“ von George und Ira Gershwin neben klassischer Musik wie den „Polowetzer Tänzen“ aus Alexander Borodins Oper „Fürst Igor“ zu hören. Und all das mit einer Musikalität, die das Publikum nicht aus dem Staunen herauskommen ließ.
Der Arrangeur des Programms, Willi März, saß selbst im Zuschauerraum, wurde herzlich begrüßt und zurecht mit einem Geschenk bedacht. Seine Arrangements bewiesen auch an diesem Abend ein feines Gespür für die besonderen Ausdrucksmöglichkeiten dieses Instruments und zeigten in beeindruckender Weise, wie vielseitig und facettenreich dieses Instrument ist.
Besonders deutlich hörbar wurde die ganze dynamische Bandbreite des Ensembles mit „Moon River“, das zwischen spieluhrartigen Piano-Passagen und einem breiten, vollen Legato-Klang pendelte. Außergewöhnlich mitreißend wurde auch „Take Five“ interpretiert, eine Komposition des bereits genannten Saxofonspielers Paul Desmond für das Dave Brubeck Quartet, extra cool klang „Smooth Operator“ in der ungewöhnlichen Besetzung und in die filigranen Klänge des Swingklassikers „Misty“ hätte man sich hineinlegen wollen wie in eine Badewanne. Für eine Nummer hatten Lara Faria Fonseca und Veronika Seiler extra Schlagzeugunterricht genommen und pendelten souverän in Windeseile zwischen ihrer Harfe und einer Snare Drum hin und her. Spätestens bei „Y.M.C.A.“ war das Publikum kaum noch zu bremsen und machte bei der cheerleaderartigen Choreographie begeistert mit.
Hoch sympathisch wirkten die Künstlerinnen auch in ihren erfrischend unbefangenen Moderationen, bei denen sie sich abwechselten und höchst amüsant Einblicke in die Musikauswahl boten, unterhaltsam Hintergrundwissen zu den einzelnen Nummern lieferten und kurzweilig den Aufbau einer Harfe erklärten. Zur Belustigung des Publikums gaben die vier Musikerinnen einen Zwiefachen auf nur zwei Harfen, für ein Volkslied scharrten sie sich einigermaßen akrobatisch sogar um lediglich ein Instrument.
Am Ende ließ man das Munich Harp Quartet nicht ohne Zugaben von der Bühne und die Musikerinnen berichteten abschließend von bevorstehenden Projekten und Auftritten. Insbesondere für die Reise zum „One Harp World Festival“ nach Kanada könnte man noch Geldgeber brauchen. Den Sponsor hätten sie in jedem Fall verdient! Und zur Feier ihrer unglaublichen Musikalität gerne auch eine White Lady, einen Aperol Spritz, einen Kir Royal und einen French 75.
Text: Josef Westner



Fotos: Rudi Brandl

Konzert
Maxjoseph
NAU
Sonntag, 12.07.2026 um 20.00 Uhr
raffiniert und packend
Man könnte es für vermessen halten, was der Tubist Florian Mayrhofer am Ende des Konzerts mit dem Lächeln eines hinterkünftigen Lausbuben verkündete: „Das war Maxjoseph. Ihre neue Lieblingsband.“ Aber das Publikum widersprach ihm nicht, überhaupt nicht, im Gegenteil. Es erklatschte sich danach lautstark drei Zugaben und bejubelte das Quartett mit stehenden Ovationen.
Maxjoseph, wie sich die vier Musiker gemeinsam nennen, hatte in den zwei Stunden davor im voll besetzten Stadl der Alten Post in Triftern vom ersten bis zum letzten Ton begeistert. Bereits beim Einstieg mit dem Titelstück ihres aktuellen Programms „NAU“ stand so manchem Zuhörer vor Staunen der Mund offen. Wie sich hier aus sphärischen Klängen explosionsartig ein flotter, packender Rhythmus entwickelt, ist im besten Sinne des Wortes unerhört.
So ungewöhnlich die Besetzung von Maxjoseph insgesamt erscheint, die einzelnen Instrumente sind es für sich genommen eigentlich nicht. Das Außergewöhnliche liegt vielmehr darin, wie unfassbar raffiniert sie gespielt werden. Georg Unterholzner beherrscht die Gitarre mit traumwandlerischer Sicherheit, bildet, wenn nötig, den filigranen Klangteppich des Ensembles oder tritt, wo möglich, selbst mit rasanten Improvisationen in den Vordergrund. Andreas Winkler gelingen auf seiner Steirischen Harmonika elegante Melodieläufe und vielschichtige Harmonien, die auf dem diatonischen Instrument bislang eigentlich undenkbar schienen. Nathanael Turban spielt Geige mit einer Präzision, die in allen Lagen und bei allen Stricharten und Spielweisen von unbeschreiblicher Musikalität zeugt. Und bei Florian Mayrhofer könnte man, würde man nicht hinsehen, glatt vergessen, dass er eine Tuba in Händen hält, so weich und geschmeidig fließen seine Töne wie Creme aus einer Tube.
Auf der Bühne sitzen aber nicht nur vier exzellente Solisten nebeneinander, erst ihr furioses Zusammenspiel verbindet sie zu einem Weltklasse-Ensemble – immer sensibel in der Dynamik, immer präzise in allen Variationen, immer geschlossen im Klang. Aus der traditionell eher melodiösen Volksmusik wird bei Maxjoseph eine Stil- und Spielart, die vor allem von synkopierten Rhythmen, unerwarteten Akkordfolgen und grenzenloser Spielfreude lebt. So gewagt dabei manche Ideen auch erscheinen – wer kommt schon darauf, Tuba und Gitarre miteinander terzeln zu lassen? –, die Umsetzung gelingt spielend leicht. Oder zumindest wirkt sie so: Mühelos, selbstverständlich, aus einem Guss.
In den staubtrockenen Moderationen erfährt man zudem die skurrilen Hintergrundgeschichten zu einzelnen Nummern. So erklärt sich „Amour fou“ als verrückte Liebe zur Deutschen Bahn, der Titel „Carillon“ wird zur Hommage auf eine Spieluhr und dem Fund eines Urzeitmenschen huldigt man mit „Guggenmosi“. Dass der erste Mensch mit aufrechtem Gang ein Allgäuer gewesen sei, dürfte wissenschaftlich nicht stichhaltig zu belegen sein, wurde musikalisch aber glänzend untermauert. Berührend schön waren gerade im Kontrast zu den teils harten, bisweilen fast rockigen Rhythmen der „Likai Jodler“ und der „Verano Walzer“. In Melodie und Harmonie klingen sie nach traditioneller Volksmusik und werden doch mit verblüffender Kreativität und herausragender technischer Brillanz interpretiert.
Wer die Entwicklung bairischer Volksmusik in den letzten Jahrzehnten verfolgt hat, der hörte aus den ungewöhnlichen Harmonien an diesem Abend wahrscheinlich ein bisschen Herbert Pixner heraus, der erkannte in den innovativen Arrangements womöglich Mnozil Brass wieder, der dachte bei der hintergründigen Frechheit in den Moderationen vielleicht an die Biermösl Blosn. Aber kein Vergleich mit einem vermeintlichen Urahn, einem großen Vorbild oder musikalischen Helden wird Maxjoseph gerecht. Den vier Musikern gelingt – und das ist vielleicht das größte Kompliment, das man ihnen machen kann – etwas vollkommen Neues, Einzigartiges, Wunderschönes.
„Genießts unsere Musik – mir machan des genauso“, hatte Andreas Winkler zu Beginn des Abends geraten und das Publikum war seiner Empfehlung – zurecht! – vollkommen bedenkenlos gefolgt. Genau wie die Musiker vor Freude strahlten, als hätten sie das Programm selbst gerade zum ersten Mal gehört. Und um den Stadl herum zwitscherten die Vögel so laut, als wollten auch sie unbedingt ihre Zustimmung und Begeisterung signalisieren. Das war Maxjoseph. Unsere neue Lieblingsband.
Text: Josef Westner



Fotos: Rudi Brandl
https://www.maxjoseph.de/

Konzert
Zwoa & Oans
Irgendwie geht´s immer!
Sonntag, 28.06.2026 um 20.00 Uhr
Humor und gute Laune
„Irgendwie geht’s immer“ heißt das Programm, dass das Kabarett-Trio „Zwoa & Oans“ auf Einladung des Trifterner Kultur- und Kunstvereins am Sonntag im Stadl der Alten Post präsentierte. Und irgendwie ging’s auch – trotz der schweißtreibenden Sommerhitze, die die Temperatur im Saal auch im Verlauf des Abends nicht unter 30 Grad sinken ließ.
Evi und Richard Eder machten in Begleitung von Sabine Riemer als „Zwoa & Oans“ das Beste aus den hitzigen Umständen und nahmen das Publikum durch ihre herausragende Bühnenpräsenz, ihre sichtliche Spielfreude und ihren sympathischen Humor sofort für sich ein. Dezent im Vordergrund mag dabei Richard Eder gestanden haben, der durch seinen launigen Moderationen und sein schauspielerisches Können einen besonderen Draht zum Publikum fand. Aber auch seine Frau Evi stand ihm in Mimik und Witz in nichts nach, im Gegenteil. Sabine Riemer begleitete die beiden felsenfest, aufmerksam und stilsicher, egal ob an der Zither, auf der Steirischen Harmonika oder mit der Gitarre.
Das Ehepaar Eder besang im Laufe des Abends alle möglichen und unmöglichen menschlichen Eigenheiten, überspitzt, aber stets liebenswürdig und mit viel Selbstironie. Das Trio griff dazu oft auf altbekannte Melodien zurück, deren Texte kongenial in die Neuzeit übertragen und der Heimatregion zwischen Rott und Inn angepasst wurden. Da wurde aus dem „Tröpferlbad“ des Wiener Kult-Duos Pirron und Knapp eine saukomische Nummer über das Bad Birnbacher Vitarium und die „Donna Clara“ aus den 1920ern zu ein hochmodernen Satire auf den allseits begehrten Thermomix. Anstelle der „schönsten Blume auf der Welt“ besang man das neuste iPhone, das so zum modernen Liebesbeweis für die Angebetete wurde, ihren Verehrer aber wie einst das Edelweiß ins Verderben stürzte.
Erstmals war an diesem Abend – wenn auch nur kurz – die neue Tonanlage des Kultur- und Kunstvereins in Triftern im Einsatz, die dank der Förderung durch die Leader-Aktionsgruppe Rottal-Inn angeschafft werden konnte. Das klanggewaltige „Zwoa & Oans“-Trio war auf technische Verstärkung freilich nicht angewiesen. Nur Andrea Beeker griff als Vereinsvertreterin bei ihrer Anmoderation zum Mikrofon. Mit der großen Erwartungshaltung, die sie bei den Zuschauern schürte, hatte sie letztlich nicht zu viel versprochen: Das Trio wusste die familiäre Atmosphäre im Publikum bestens für sich zu nutzen, bezog die Zuschauer immer wieder ins Geschehen mit ein und ließ es am Ende bei der herrlich absurden „Ballade von der Weißwurst“ von Hans Blädel sogar mitsingen. Umso herzlicher fiel der Schlussapplaus aus und umso wirkungsvoller verabschiedeten sich „Zwoa & Oans“ vor der Bühne, dem Publikum ganz nah. Bei einem derart gut aufgelegten Ensemble war eindeutig Programm, was der Titel versprach: „Irgendwie geht’s immer“. So heiß kann es gar nicht werden.
Text: Josef Westner



Fotos: Rudi Brandl

Konzert
Trio Mi.S.S.
Carmina Burana von Carl Orff, ....aber ganz anders!
Sonntag, 07.06.2026 um 20.00 Uhr
Kleine Besetzung - große Wirkung
Das Trio MiSS überzeugt mit Carl Orffs „Carmina Burana“ in Triftern
Carl Orffs bombastische „Carmina Burana” nur mit Vibraphon, Akkordeon und Kontrabass, ganz ohne Chor und Text, reduziert nur auf die Musik – kann das gutgehen? Es kann. Und mehr als das! Das Trio „Mi.S.S.“ machte am Sonntagabend in Triftern Unerhörtes möglich.
Gerade wegen der winzigen Besetzung entfaltete die Musik des Münchner Komponisten ihre ganze Wirkung, wurde der eindrucksvolle Rhythmus und die energiegeladene Melodieführung besonders hör- und spürbar. Michaela Bauer am Akkordeon, Dr. Stephan von Clarmann am Vibraphon und Stephan Glaubitz am Kontrabass stellten dabei eine ungemeine Spielfreude unter Beweis. Sie harmonierten glänzend miteinander und spielten sich in eine derartige Begeisterung, dass auch das Publikum von ihnen hin- und mitgerissen war.
Als äußerst hilfreich erwiesen sich dabei einerseits die sachkundigen Moderationen von Dr. Stephan von Clarmann, der die Musik unterhaltsam in ihren historischen Kontext einbettete. Er erzählte von der Entstehung und Erhaltung der mittelalterlichen Liederhandschrift aus Benediktbeuern, deren Texte Carl Orff als Grundlage dienten. Er berichtete aber auch von der Arbeitsweise des Komponisten und den dabei entstandenen Melodien, die – von Michael Jackson bis hin zu Henry Maske – immer wieder auch recht unlauter verwendet wurden. Dass die Zuschauer ein Verständnis für die Kompositionen und ihre Bearbeitung entwickeln konnten, dazu trug andererseits auch Michaela Bauer bei, die mit samtiger Sprechstimme in die einzelnen Musikstücke einführte und ihren teils deftigen Inhalt mit leiser Ironie zusammenfasste.
Dank seiner völlig unverfälschten, sympathisch legeren, musikalisch aber hochprofessionellen Art nahm das Ensemble das Publikum vom ersten bis zum letzten Moment für sich ein. Vor allem durch seine herausragend ausdifferenzierte Dynamik baute das Trio dabei eine geradezu unheimliche Spannung auf. Virtuos entlockten die drei Musiker ihren Instrumenten schönste Töne, schnellste Läufe, aber auch skurrilste Geräusche. Da wurde das Vibraphon mit dem Bogen gestrichen oder mit dem Kontrabass geknarzt, als ginge man über den Holzboden in Orffs Arbeitszimmer.
Auf das musikalische Experiment, den großen Orff in kleiner Besetzung zu wagen, hatte sich am Sonntagabend eine Schar an Zuhörern eingelassen, die so groß war, dass Stephan Glaubitz vor Spielbeginn ein unverfälschtes „Das macht mir Angst!“ herausrutschte. Die Furcht war unbegründet. Am Ende feierten die Zuschauer das Ensemble, applaudierten teils stehend und spendeten großzügig. Und so war schon mit dem ersten Abend die wohl gewagteste Sensation der Saison gelungen – ein perfekter Auftakt für die diesjährige Konzertreihe des Kultur- und Kunstvereins Triftern. Am Ende wurde das „O Fortuna“ sogar eifrig, lauthals und durchaus stimmsicher mitgesummt. Dass die altrömische Schicksalsgöttin dabei als Bronzeplastik mitten unter den Zuschauern stand, hätte man gar nicht besser planen können.
Text: Josef Westner



Fotos: Rudi Brandl
https://www.triomiss.de/

Konzert mit Lesung
Solinger Landlerpartie und
Karl Pumberger-Kasper
Freitag 03.10.2025 um 19.00 Uhr




Konzert
Anonyme Nostalgiker & Comedian Vocalists
Guten Abend, schöne Frau
Freitag und Samstag, 06.und 07.09.2025 um 20.00 Uhr
Clothilde und Fridolin
Von der falschen Clothilde, dem begabten Fridolin und einem kleinen grünen Kaktus
Zwei Vokalgruppen zu berauschenden Konzerten in Triftern
Der kleine grüne Kaktus sticht nach wie vor, das bewiesen die Lokalmatadoren Anonyme Nostalgiker und die Comedian Vocalists aus dem österreichischen Zwettl am vergangenen Wochenende in Triftern und sorgten zweimal für ein ausverkauftes Haus im Stadl der Alten Post. Auf Einladung des Kultur- und Kunstvereins Triftern wurden einem begeisterten Publikum an zwei Abenden Perlen aus der Unterhaltungsmusik der 1930er Jahre präsentiert – von zwei Ensembles, die jeweils schon länger als zwei Jahrzehnte auftreten und seit Jahren freundschaftlich miteinander verbunden sind.
Die Chemie stimmte zwischen den beiden Vokalgruppen aus Niederbayern und Niederösterreich. Auf der Bühne zogen sich die beiden Gruppen mit Herzenslust durch den Kakao, präsentierten dem Publikum unter dem Konzerttitel „Guten Abend, schöne Frau“ aber vor allem neben dem unvermeidlichen Kaktus viele weitere charmante Schlager aus dem Repertoire verschiedener Gesangsgruppen der 1930er Jahre, über deren Geschichte man sich auch im sachkundig gestalteten Programmheft informieren konnte.
Zu den Höhepunkten des Abends zählte etwa die vormalige Erkennungsmelodie der Comedian Harmonists, „Ich hab für dich ‘nen Blumentopf bestellt“ – Detail einer Romanze, die letztlich nicht für die Ewigkeit bestimmt war, ebensowenig wie der besungene Blumentopf, der auf offener Bühne genüsslich in seine Einzelteile zerlegt wurde. Galant deuteten die kabarettistischen Schlagertexte Frivoles oft nur an und ließen so Raum für schlüpfrige Fantasien und wilde Spekulationen. So blieb etwa offen, was dem Fridolin spielend leicht „mit einer Hand“ gelingt, oder warum das „herrliche Weib“ in der gleichnamigen Nummer von Georg Kreisler dermaßen überschwänglich gefeiert wird, obwohl die Angehimmelte doch weder tanzen noch singen, weder lesen noch schreiben, weder kochen noch denken kann.
Besonders erwähnenswert ist auch die Uraufführung der Nummer „Clothilde“ nach rund 90 Jahren, die aus dem Noten-Nachlass eines Künstlers rekonstruiert werden konnte. Arrangiert hatte das Stück der Pianist Werner Doege ursprünglich 1937 für die „Spree-Revellers“, die er auch am Klavier begleitete. Auf Schallplatte hatte es dieses Lied aber nicht mehr geschafft. Nur durch erst im vorigen Jahr entdecktes Notenmaterial war es möglich, dieses verschüttete Juwel erstmals wieder einem Publikum zu Gehör zu bringen, in dessen Reihen auch Doeges Sohn dieser Premiere beeindruckt lauschte. Seinem Vater war der gesamte letzte Block der Comedian Vocalists gewidmet, die dabei in Fliegermontur die Sonne grüßten, mit „Buh-Huh“ verflossenen Liebschaften hinterherheulten oder als Seeleute ihrem Baby „Auf Wiedersehn“ schworen.
Beide Vokalgruppen wechselten sich auf der Bühne ab, vereinigten sich aber erstmals vor der Pause für Duke Ellingtons „Creole love call“ zur vokalen Imitation einer ganzen Big Band. Beschlossen wurde der Abend nach mehreren Zugaben wieder im Verbund beider Gruppen mit der augenzwinkernd-romantischen „Giasinger Mond-Serenade“. Am Ende gab es stehende Ovationen für das stimmgewaltige Gesamt-Ensemble.
Die Anonymen Nostalgiker bereiten nun ein Rückspiel in Zwettl vor; aber auch die Comedian Vocalists haben sich in die Herzen ihrer niederbayerischen Zuhörer gesungen und werden hoffentlich nicht zum letzten Mal im Rottal zu Gast gewesen sein. Unter großem Applaus der Zuschauer schwor Bernd Stöcker, Hausherr und Vorsitzender des Kultur- und Kunstvereins, die beiden Gruppen darauf ein, spätestens in zwei Jahren zum hundertsten Geburtstag der Comedian Harmonists wieder gemeinsam in Triftern aufzutreten. Dann kann der kleine Kaktus erneut zustechen.



Fotos: Rudi Brandl
https://comedian-vocalists.at/
https://www.acappella-online.de/kuenstler/anonyme-nostalgiker

Konzert mit Lesung
Monika Drasch
Umara 1800 - Stubenberger Handschriften
Sonntag, 27.07.2025 um 20.00 Uhr
„Des singt koa Mensch außer mir zwoa“
Monika Drasch begeistert mit befreundeten Musikern in Triftern
Stellt man sich eine Frauenstimme vor, die perfekt zum Klang des bairischen Dialekts passt – eine Stimme, die selbst in hohen Lagen federleicht klingt und die doch, wenn nötig, schmieren, packen und donnern kann –, dann hört man unweigerlich Monika Drasch singen. Spätestens seit ihrem Durchbruch mit dem „Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinn“ in den 1990er Jahren ist sie zum Inbegriff einer bairischen Frauenstimme geworden.
Nach einem Gastspiel vor zwei Jahren kehrt sie nun auf Einladung des Trifterner Kultur- und Kunstvereins erneut in den Stadl der Alten Post in Triftern zurück, den sie selbst als „eine der wildesten, schönsten Bühnen Niederbayerns“ lobt. Dort präsentierte sie diesmal mit einem herausragenden Ensemble musikalisches Lokalkolorit: Das Programm „Aufgspuit umara 1800“ besteht vorwiegend aus Musikstücken, die im Rottal oder zumindest nahe drumherum entstanden sind. Teils stammen sie aus den Stubenberger Liederhandschriften, die der Lumpensammler Philipp Lenglachner ab 1796 zusammengetragen hat, ergänzt um Mundartballaden aus der Feder der Bayerwalddichterin Emerenz Meier sowie manch weitere Kostbarkeiten der bairischen Volksmusik.
Dass auch die instrumentalen Stücke wunderbar gelingen, liegt an der stimmigen Auswahl – zwei Melodien sollen sogar um 1840 in Triftern aufgezeichnet worden sein! Entscheidenden Anteil an der Wirkung hat aber auch das furiose Ensemble, das Monika Drasch an diesem Abend unterstützt: Martin Danes, Dozent an der Musikhochschule München, begleitet einfühlsam am Akkordeon oder singt, obwohl offenkundig arg erkrankt, souverän als Bass-Bariton.
Norbert Nagel schmiegt sich, egal ob an der Klarinette, dem Saxophon oder der Bassklarinette, perfekt an die Gesangsstimme oder das Geigenspiel von Monika Drasch. Nur mit einem kurzen Blickkontakt wechseln die Musiker scheinbar mühelos die Stimmen durch oder überlassen Nagel das Feld für mitreißend-jazzige Improvisationen. Den kurzen Schreckmoment, als Drasch die sattgrüne Geige aus der Hand rutscht und auf den Boden knallt, überspielt die Musikerin mit einem Augenzwinkern: „De hod so a guade Farb“, meint sie – und ganz offensichtlich ist das Instrument tatsächlich unverwüstlich.
Professor Klaus Wolf, der an der Universität Augsburg Deutsche Literatur und Sprache in Bayern lehrt, ergänzt die musikalischen Vorträge und Draschs humorvolle Ansagen um historische Erläuterungen, die die Musiktitel gleichermaßen unterhaltsam wie tiefgründig in das Zeitgeschehen einbetten.
In der Kombination gelingt dem Ensemble ein eindrucksvoller Einblick in den musikalischen Alltag des 19. Jahrhunderts – heiter und packend wie beim „lustigen Fuhrmannsbua“ oder anrührend und ergreifend wie bei der „Kindsmörderballade“. Zur „Amalien-Polka“, einer noch heute oft gespielten Komposition des bayerischen Herzogs Max, singen Drasch und Danes sogar den skurrilen zeitgenössischen hochdeutschen Text. „Des singt koa Mensch außer mir zwoa“, sagt Monika Drasch dazu mit einem hinterkünftigen Schmunzeln – und das gilt im besten Sinne eigentlich für das gesamte Programm des Abends. Wo sonst wird eine traditionsbewusste Liedauswahl derart pietätvoll aufbereitet und doch lustvoll im eigenen Stil interpretiert? Wo sonst erlebt man eine musikalische Geschichtsstunde von solchem Unterhaltungswert? Wo sonst hört man derart spielfreudige Musiker dermaßen uneigennützig miteinander harmonieren? Selbst wenn man sich eine Frauen-Stimme vorstellt, die perfekt zum Klang des bairischen Dialekts passt – in echt klingt Monika Drasch noch viel schöner.
Text: Josef Westner




Figurentheater
Die Geierwally
Die Exen - Annika Pilstl und Dorothee Carls
Sonntag, 13.07.2025 um 20.00 Uhr
Leidenschaft und Rebellion
Schon der Einstieg versprach einen außergewöhnlichen Abend: Mit einer Schuhplattlereinlage und einem gefühlvollen Duett der beiden Darstellerinnen als selige Fräuleins wurde das Publikum direkt in die Geschichte hineingezogen. Durch das Stück führte der Geier: Einst von der jungen Wally in den Tiroler Alpen aus einem verlassenen Nest gerettet und großgezogen, verband ihn eine besondere Beziehung zu seiner Retterin. Sie gab ihm den Namen Hansl, weil sie ja nicht wusste, „dass ich ein Weibchen bin“.
Die Geschichte der „Geierwally“ – der selbstbewussten, unbeugsamen Tochter eines reichen Bauern – ist eine Erzählung voller Leidenschaft und Rebellion. Wally weigert sich, den vom Vater auserwählten, einfältigen Vinzenz zu heiraten und verliebt sich stattdessen in den Bären-Josef, der vom Vater als „Hungerleider“ verspottet wird. Nach einem dramatischen Streit verlässt Wally das elterliche Heim und zieht sich auf eine Alm zurück – nicht, ohne zuvor die Scheune in Brand gesetzt zu haben. Die Handlung nimmt eine tragische Wendung, als Wally Josef verdächtigt, eine andere Frau – tatsächlich ist es seine Schwester Afra – zu lieben. In ihrer Eifersucht ruft sie zur Blutrache auf, doch der Mordanschlag scheitert. Am Ende siegt die Liebe: Josef gesteht Wally seine Gefühle, die Missverständnisse werden aufgeklärt. Die Geschichte endet trotzdem bittersüß, denn der Geier muss den Zuschauern gestehen: Wally und Josef seien jung gestorben, doch manchmal kreise ein Geier über dem Gletscher, auf dem sie ruhen – „das bin ich!“
Die Zuschauer erlebten eine ebenso berührende wie unterhaltsame Darbietung, bei der Carls und Pilstl in verschiedenste Rollen schlüpften. Die liebevoll gestaltete Inszenierung, untermalt von passenden akustischen und musikalischen Effekten, sorgte für begeisterte Reaktionen. Mit langanhaltendem, herzlichem Applaus verabschiedete das Publikum die beiden Künstlerinnen.
Text: Josef Westner und Kathrin Czech







Konzert
Mr. Jones Trio
Singer-Songwriter - Americana - Folk
Sonntag, 29.06.2025 um 20.00 Uhr
Authentisch und unvergesslich



Fotos: Rudi Brandl
https://mrjones.net/

Lesung
Christian Grimm
Vom Leben und Schreiben
Sonntag, 01.06.2025 um 16.00 Uhr
Heimat und Poesie
Foto: Rudi Brandl
https://www.christiangrimm.com/

Konzert
WPJO - JAZZ ORCHESTRA
Finissage zu "Wege nach Wotruba"
Samstag, 02.11.2024 um 18.00 Uhr
Fulminantes Finale

gemeinsames
Sommerfest
TU ES! e.V. und Kultur&Kunst-Verein Triftern
mit
Gabi Garbutt & The Illuminations
Samstag, 07.09.2024 um 18.00 Uhr


Konzert
Äl Lindinger with friends
Country Blues
Sonntag, 11.08.2024 um 11.00 Uhr
Blues und Country

Konzert
Chor David
Lieder zum Mitsingen
Sonntag, 04.08.2024 um 19.00 Uhr
Thank you for the music
Foto: Rudi Brandl

Konzert
Trio Salato
musica italiana
Sonntag, 28.06.2024 um 20.00 Uhr
Rosmarin und Rotwein




musikalisches Figurentheater
Die Exen und das Spring String Quartet
Der merkwürdige Herr Bruckner
Sonntag, 14.07.2024 um 20.00 Uhr
virtuos und furios







Konzert
AERA TIRET
elektropop & urban beats
Samtag, 22.06.2024 um 20.00 Uhr
cool und ungeahnt





Konzert
Die Fexer
Eine Reise um die Welt
Samtag, 08.06.2024 um 20.00 Uhr
Pop und Polka





Konzert
Monika Drasch mit Alex Haas und Johannes Mayr
mit dem Programm: Emerenz Meier - dahoam in Chicago?
Sonntag, 23.07.2023 um 20.00 Uhr - Stadl der Alten Post
Heiterkeit und Schwermut - Bayern Schweden Amerika





Konzert
Anonymen Nostalgikern - Wirtshausgeschichten
Sonntag, 16.07.2023 um 20.00 Uhr - Stadl der Alten Post
Der Donner kracht, es blitzt und brennt.



Fotos: Rudi Brandl

Lesung
Sebastian Beck liest aus seinem Roman Vinz Solo
begleitet von Prohibition Prohibition
Samstag, 15.07.2023 20 Uhr - Stadl der Alten Post
Laut und leise

Konzert
The Decay
Samstag, 17.06.2023 um 20 Uhr - Stadl der Alten Post
„The Decay“ rockt den Stadel
Frühlingskonzert
Mirabell Dirndln und Geschwister Seiler
Freitag, 19.05.2023 um 19.30 Uhr - Stadl der Alten Post
Walzer, Polka und Landler

